Berlin Marathon

Zum Saisonabschluss stand am letzten Septemberwochenende der Berlin Marathon an. Ein Straßenlauf, der zu den legendären World Marathon Majors gehört, aktuelle Weltrekordstrecke im Marathonlauf ist und sehr weit oben auf meiner persönlichen Checkliste stand. Unter 3 h 10 war meine angestrebte Zielzeit. 16 Minuten schneller als beim letztjährigen München Marathon. Eine recht ordentliche Steigerung – es sollte schließlich knapp ausgehn.

Sonnenschein und strahlend blauer Himmel begrüßt die riesige Läuferschar von gut 40.000 Athleten am Sonntagmorgen. Der Startschuss fällt um 10 Uhr und rund drei Minuten später überquere auch ich die Startlinie. Man fühlt zu Beginn eines Rennens meistens, ob es heute gut werden könnte, verdammt gut oder eben sch****. Glücklicherweise ist Zweiteres bei mir der Fall, die Beine fühlen sich sehr gut an und ich komme schnell in meinen Laufrhythmus. 4 min 30 pro Kilometer ist die Vorgabe, um die Zielzeit zu erreichen. Ich passiere meine Supporter Katharina und Patrick kurz nach der Siegessäule und konzentriere mich anschließend auf ein gleichmäßiges Tempo.

Nach rund 22 min erreiche ich die 5-km-Marke und bin voll im Soll. Auch 5 km später ist alles bestens und in der Nähe des bekannten Alexanderplatzes sehe ich dann Katharina und Patrick wieder, die heute auf ihre Weise in Form eines U-Bahn-Hoppings den Berlin Marathon erleben. Eine geniale Aktion, die mich extrem dankbar macht.

Kreuzberg – Halbmarathonmarke

1 h 35 bei der Halbmarathonmarke in Kreuzberg: Und hey, wie geil fühlt sich das denn immer noch an?! Aber ganz ruhig, in München kam vier km später der Mann mit dem Hammer. Also nur nicht voreilig sein. Kurz darauf sehe ich erneut meine Unterstützer und habe ein breites Lächeln im Gesicht. Das war in München ganz anders, erinnere ich mich und bin so froh, dass es heute so viel besser läuft. Aber dennoch ist zum jetzigen Zeitpunkt gerade einmal etwas mehr als die Hälfte geschafft.

Im Flow

Heute kann mich der Mann mit dem Hammer mal, denke ich glücklich und passiere km 30. Es läuft noch immer wie geschmiert und ich bin voll im Flow. Und immer noch voll auf Kurs, was die Zielzeit betrifft. Die Strecke führt anschließend über Wilmersdorf und dann auf der bekannten Einkaufsmeile „Ku’damm“ zum Zoologischen Garten, km 35 des Marathons. Und überall hallen mir lautstarke und aufmunternde Anfeuerungsrufe entgegen. Ein Wahnsinn, wie gefühlt die ganze Bundeshauptstadt diesen Event feiert.

img_1430

Der Mann mit dem (mittelgroßen) Hammer

Wenig später erspähe ich wieder bekannte Gesichter und kann noch immer lächeln – wenn es mir auch, zugegebermaßen, nun nicht mehr ganz so leicht fällt. So ganz allmählich spüre ich dann doch die Belastung der zu diesem Zeitpunkt 36 absolvierten Kilometer. Und kurz darauf kommt er dann doch: der Mann mit dem Hammer. Aber dennoch kein Vergleich zu München, wo ich gefühlt mit einem Schlag ausgeknockt war. Nun fühlt es sich vielmehr so an, als ob ich alle 500 m kontinuierlich einen kleinen Hammerschlag abbekomme, der mein Tempo verlangsamt. Und ja, es lässt sich nicht leugnen, ich werde langsamer, wie meine Stoppuhr das unliebe Gefühl bestätigt. Rund 10 Sekunden verliere ich auf den Kilometer.

Ein geschichtsträchtiges Tor

Bei km 40 wird mir klar, dass ich meine Zielzeit nicht mehr schaffen werde. Jetzt fühlt sich doch jeder Schritt sehr schwerfällig an und ich schaue einfach, dass ich einigermaßen im Tritt bleibe. Und schließlich sehe ich in einiger Entfernung das Brandenburger Tor aufragen. Einige Male war ich bei vergangenen Berlinreisen schon dort, habe Fotos geschossen und die Stimmung genossen. Es war jedes Mal ein ergreifendes Gefühl. Aber heute bringt es noch einmal eine ganz andere Dimension mit sich. Jeder Schritt, der mich dem Denkmal näher bringt, verstärkt das unbeschreibliche Kribbeln. Ich habe Gänsehaut, als ich unter dem imposanten Tor hindurchrenne.

Und dann renne ich noch ein Stückchen weiter und erreiche schließlich das Ziel. 3:11:20 h zeigt die Stoppuhr. Meine angestrebte Zielzeit habe ich verpasst. Aber das ist mir nun völlig egal. Ich bin gerade einfach nur überglücklich und dankbar für ein unglaubliches Erlebnis. Es fühlt sich perfekt an.

img_1420

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Avatar von Elvira Eppinger Elvira Eppinger sagt:

    ICH habe Gänsehaut nur schon beim Lesen Deines Berichtes – ich wünsche Dir ein ebenso tolles Erlebnis und Erreichen Deiner Wunschzeit beim Frankfurt-Marathon 2016
    Mum

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Elvira Eppinger Antwort abbrechen