Lahn-Dill-Bergland-Pfad

Es waren an beiden Tagesetappen nicht die allerbesten Voraussetzungen auf diesem Fernwanderweg. Hatte ich bei meiner ersten Etappe, Anfang des Jahres mit Schnee, Kälte, zu wenig zu essen (wieder mal!) und der fehlenden Form zu kämpfen, so waren nun Ende Oktober auf dem zweiten Teilstück die überdurchschnittlich vielen Laufkilometer der Saison und ein leichtes Ziehen im Knie die ausschlaggebenden Faktoren. Faktoren, die das Erreichen des Ziels in Dillenburg zu einer Herausforderung machten.

Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann ich auf den Lahn-Dill-Bergland-Pfad in Mittelhessen aufmerksam wurde, jedoch aber, dass es irgendwann während meiner Unizeit in Giessen war. Ich las auf irgendeinem Wanderportal von diesem Fernwanderweg von Marburg nach Dillenburg durch den Naturpark und war sofort Feuer und Flamme. Seit ein paar Jahren schon jogge ich Fernwanderwege ab und hatte nun richtig Bock darauf, diesen groß angepriesenen Wanderweg in meine Sammlung aufzunehmen :). Jedoch verging bis zum Start dieser Unternehmung noch ein wenig Zeit, da immer wieder etwas anderes dazwischen kam. In diesem Jahr aber war es dann soweit und ich informierte mich über die Gegebenheiten der Tour (Streckenlänge: 89,7 km; positive HM: 2036; niedrigster Punkt: 186 müNN; höchster Punkt: 525 müNN).

In Marburg am Landgrafenschloss, dem eigentlichen Ziel der Tour, begann ich die erste Etappe und hatte mit dem Städtchen Gladenbach mein erstes Zwischenziel festgelegt, womit 40 km und 1700 HM bevorstanden. Schon früh war klar, dass das kein Zuckerschlecken werden würde, denn schon bei einer Höhe von 350 müNN waren die ersten kleineren Schneefelder zu durchqueren. Und als die Strecke schließlich hoch auf den Rimberg (höchste Erhebung der Damshäuser Kuppen, 497 müNN) führte, war dies nur in kleinen, mühsamen Schritten zu bewältigen. Mit brennender Lunge und den ersten kleinen Ermüdungserscheinungen folgte ein langer, hügeliger Waldabschnitt. Die Form war so früh im Jahr wirklich nicht die beste und so war der anschließende Aufstieg zum Hünberg (504 müNN) sehr anstrengend und kräftezehrend. Aber trotz der Strapazen war es doch ein unglaubliches Gefühl sich inmitten von Schnee, Bäumen und verschiedenen Steinformationen zu befinden und den Berg hoch zu hecheln. Völlig allein, keine Menschenseele und nur mit Gedanken an den nächsten Wegabschnitt. Kilometer 32 war mit dem höchsten Punkt erreicht und von da an ging es dann größtenteils bergab. Leider heißt „bergab“ jedoch auch, dass die Beine in gewisser Art und Weise doch auch bewegt werden müssen. Dies hatte sich mittlerweile zu einer einigermaßen schmerzvollen Angelegenheit entwickelt und erforderte wieder einmal ein Zähnezusammenbeißen. Es folgte zum Ende hin noch ein richtig schöner Trail durch die Hinterländer Schweiz, den ich aber leider nicht angemessen genießen konnte. Regelrecht geplättet erreichte ich Gladenbach, hatte meinen Bus Richtung Gießen um zwei, drei Minuten verpasst, litt Hunger und irgendwie tat alles weh und ich fragte mich: Warum zum Teufel mache ich das? Die Antwort darauf erhielt ich ein gutes halbes Jahr später.

Zweite Etappe

…und vielleicht die letzte? Nun gut, im Hinterkopf hatte ich schon die Vorstellung, das 28102014742Ziel Dillenburg zu erreichen und nicht noch einmal zu einer dritten Etappe aufbrechen zu müssen. Aber das bedeutete auch 48 km zu absolvieren. Und das kurz nach dem München Marathon und einigen anderen diversen Laufabenteuer?! Okay, einfach mal loslegen und schauen, wie sich der Körper so anfühlt. Vorgestern nun, ein gutes halbes Jahr nach Beenden der ersten Etappe, fuhr ich mit Bahn und Bus zurück nach Gladenbach und musste erst noch kurz den Einstieg des Weges suchen (war wohl doch schon ein Weilchen her, als ich das letzte Mal da war) bevor es schließlich losgehen konnte.

Zunächst führte die Strecke im Zickzackkurs durch Gladenbach und dann durch ein längeres Waldstück hoch auf die Koppe (461 müNN). Bei gutem Wetter wird man vom Aussichtsturm mit einer herrlichen Fernsicht über das Gladenbacher Bergland, bis hinein in Taunus und Vogelsberg, belohnt. Leider war bei mir da nicht allzu viel zu holen, zu bewölkt und zu diesig war es an diesem Tag. Beim folgenden Bergablaufen spürte ich dann zum ersen Mal ein leichtes Ziehen im rechten Knie, der Runners-Knee-Schmerz. Nicht großartig tragisch, mit genug Regeneration, Stretching und Blackroll auch wieder gut in Griff zu kriegen. Aber ein bisschen unangenehm war es beim Laufen dann doch. Nichts desto trotz hielt ich mein Lauftempo bei, durchschritt das wunderschöne Seibertshäuser Tal, passierte mit den Kopps Klippen die nächste Erhebung und erreichte nach einem schmucken Downhill über einen Trampelpfad das Kurstädtchen Bad Endbach, Kilometer 17 der Etappe.

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Von dort aus führte die Strecke rund 200 HM bergauf zum beidseitigen Aussichtspunkt Schönscheidt (491 müNN) und schließlich entlang mehrerer alter Weidekämpen nach Bicken. Weltklasse war zwischendurch meine Verpflegung: ein schönes, leckeres Stückchen Pizza…herrlich 🙂

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Kilometer 34 der Etappe war erreicht und allmählich spürte ich meinen müden Körper schon ganz ordentlich und auch das Ziehen im Knie ließ nicht nach. Hier war eigentlich mein Tagesziel, der Gedanke jedoch daran, nur noch 14 Kilometer von Dillenburg entfernt zu sein und es heute noch zu schaffen, trieb mich an weiterzumachen. In mittlerweile sehr gemächlichen Tempo weiterlaufend ging es sofort wieder bergauf, vorbei an der Bickener Schutzhütte und an den idyllisch gelegenen Nesselhofteichen. Ich passierte das Städtchen Niederscheld und kurz vor Dillenburg die Isabellenhütte, den ältesten Industriebetrieb Hessens. Von dort aus waren es noch zwei Kilometer und ich spürte die erste Euphoriewelle aufkommen. Nicht mehr weit war es bis zu meinem persönlichen Ziel. Das Ortsschild war passiert und die letzten 1000 m führten noch einmal durch ein schönes Waldstück entlang eines Berghangs. Und dann endlich war es soweit, das bekannte und vertraute Glücksgefühl stieg in mir auf. Ich blickte vom Aussichtspavillon auf die vor mir liegende Stadt Dillenburg hinunter und wusste, ich hatte es geschafft. Es war kein ausgeschriebener Wettkampf, ich war der einzige Teilnehmer bei meiner ganz eigenen Herausforderung. Und doch war es für mich irgendwie ein klein wenig wie ein Wettkampf. Denn als übergeordneter Gedanke steht doch das Erreichen des Ziels. Und bei der ganzen Unternehmung noch neue, atemberaubende landschaftliche Ecken kennenzulernen, das ist wirklich das Größte. In diesem Sinne: Lahn-Dill-Bergland-Pfad, herzlich willkommen in meiner Sammlung! 🙂

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